Hormone - Tod auf Raten?
Im Juli 2002 machte die WHI-Studie (Womens health initiative) Schlagzeilen. 16.608 Frauen im Alter von 50-79 (Durchschnitt 63.3 Jahre) wurden in den USA über einen Zeitraum von 4 Jahren bezüglich der Nebenwirkungen von Hormonersatzpräparaten gegenüber von Frauen ohne diese Behandlung beobachtet. Nach vier Jahren wurde einer der "Beobachtungsarme", nämlich diejenigen Frauen, welche eine Kombinationsbehandlung in den Wechseljahren erhalten hatten, vorzeitig beendet. Grund waren die erheblich höheren Zahlen von gravierenden Nebenwirkungen im Vergleich zur normalen Gruppe.
Darauhin brach speziell auch in Deutschland eine meistens emotional geführte, z.T. sehr unsachliche und auch diffamierende Diskussion los. Forum war meistens die Boulevardpresse, dieses Thema war umsatzsteigernd. Die vorher sicherlich auch nicht korrekte Einstellung rein positiver Einstellungen zu dieser Behandlung drehte sich in das Gegenteil.
Namhafte Persönlichkeiten aus der Politik diffamierten die vorhandenen Wechseljahresbeschwerden zu "Befindlichkeitsstörungen", welche keiner Therapie bedürften. Die immer noch leidenden Frauen wurde in Ihrer persönlichen und beruflichen Umgebung als "Selbstordkandidaten" angesehen, da Sie immer noch das Teufelszeug nahmen.
Erst recht sollte in dieser Umgebung eigentlich das erfolgen, was eine Verordnung von Medikamenten ausmacht. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko Analyse mit anhaltender Überwachung von Dosis und Notwendigkeit der Verordnung. Dann wird sich der Mythos Hormon von selbst entblättern und das werden was für alle anderen Medikamente längst gilt; ein Medikament mit einer Wirkung und Nebenwirkungen. Daher wird es nur verabreicht, wenn notwendig und mit entsprechender Kontrolle.
Für unsere Praxis gilt daher, dass nicht wir den Nutzen einer solchen Therapie beurteilen werden, sondern unsere Patientin! Erscheinen Ihr die Wechseljahre ohne Hormone genauso lebenswert und unproblematisch wie vorher mit ausreichender Hormonproduktion, besteht kein Anlass für eine Behandlung. Bei bestehenden, das Leben stark beeinflussenden Beschwerden, welche sich mit anderen Mitteln nicht bewältigen lassen, sollte aber eine entsprechende Entscheidung nach Nutzen-Risiko-Abwägung möglich sein, ohne dass die Gesellschaft über einen herfällt.
