Kassenarzt auf Zeit?

Nach einer Pressemitteilung der Bundesverbandes der Krankenkenkassen Deutschlands fordern die Krankenkassen in Deutschland eine Befristung der Kassenzulassung für niedergelassene Ärzte. Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretendender Vizevorsitzender des Bundesverbandes, sieht damit eine Möglichkeit, das Mißverhältnis zwischen ärztlichem Überangebot in den Städten und dem Ärztemangel in ländlichen Gebieten Herr zu werden. Damit solle verhindert werden, dass ein in Rente gehender Arzt seine Kassenzulassung verkaufen könne und das Überangebot an Ärzten in städtischen Gebieten weiterhin bestehe. Zusätzlich sollen Honorarkürzungen bei Neuniederlassungen in Überversorgten Gebieten eingeführt werden und damit der Anreiz für eine Niederlassung in städtischen Gebieten gehemmt werden. Es erscheint leider, dass wieder einmal eine Parole durch den Blätterwald getrieben wird, welche nicht sonderlich überdacht erscheint. Warum?
Ein einfaches Fallbeispiel:
Ein Arzt möchte sich niederlassen und findet einen abgabewilligen Kollegen, welche nach altem "Recht" seine Praxis noch verkaufen kann. Der niederlassungswillige Kollgege wird dieses nicht mehr können. Bedeutet für Ihn entweder:
  1. Er kauft und hofft trotz des abgesenkten Honorare auf dermaßen hohe Gewinne, dass er diese Kosten einspielen wird. Dass ist mittlerweile bei vielen Fachrichtungen nicht mehr der Fall. Voraussetzung natürlich, dass er einen Bankkredit bekäme.
  2. Er kauft nicht, da er betriebswirtschaftlich keine andere Lösung sieht und z.B. auch keine Bank ihm einen Kredit gewähren würde.
Der Bundesverband glaubt nun, dass im Falle von Variation 2 dieser Arzt auf das Land ziehen würde, weil:
  1. Er dort mehr Honorar bekäme,
  2. Die Praxis ja nichts kosten würde.
Ein Trugschluß, denn auch durch diesen dirigistischen Eingriff würde das Einkommen eines "Landarztes" nicht höher, da ja nur in der Stadt gespart würde. Von einer Erhöhung der Honorare auf dem Land war nicht die Rede. Also würde die betriebswirtschaftliche Situation auf dem Land die gleiche wie vorher.
Daraus ergeben sich für den arbeitswilligen Mediziner mehrere Möglichkeiten:
  1. Er geht in das Ausland, weil dort trotz anderer Regularien die Situation besser zu sein scheint,
  2. Er lässt sich bei einem Investor als Arzt in einem "Zentrum" anstellen,
  3. Er arbeitet fachfremd.
Bei Fall 3 - oh Wunder - finden sich diese Zentren aber, politisch gewollt, auch nur in den Städten oder stadtnahen Gebieten und werden dort von entsprechend kalkulierenden Konzernen betrieben oder besitzen Einzelverträge mit Kassen, welche lukrativ sind.

Alles in allem also Augenwischerei und Volksverdummung auf adligem Niveau