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9. Ethische Aspekte der pränatalen Diagnostik
In
jedem Einzelfall sind Nutzen und Risiko für Mutter und Kind
gegeneinander abzuwägen. Dabei ist die Entscheidung einer schwangeren
Frau für oder gegen eine pränatale Diagnostik - unabhängig von späteren
Konsequenzen - vom Arzt zu respektieren. Eine pränatale Diagnostik ist
sinnvoll und ärztlicherseits geboten, wenn dadurch eine Erkrankung oder
Behinderung des Kindes intrauterin behandelt oder für eine rechtzeitige
postnatale Therapie gesorgt werden kann. Für das Kind fehlt es dann an
einer Indikation für die pränatale Diagnostik, wenn - was nicht selten
der Fall ist - sich keine Therapiemöglichkeiten abzeichnen. In dem
Falle kann das ungeborene Kind dem Risiko eines diagnostischen
Eingriffs ausgesetzt werden, obwohl eine Entscheidung über Fortsetzung
oder Abbruch der Schwangerschaft die einzige Konsequenz aus dem
Ergebnis der Diagnostik darstellt. Für die schwangere Frau stellen die
Ergebnisse der pränatalen Diagnostik einen Informationsgewinn dar, der
meistens Befürchtungen und Sorgen um den Gesundheitszustand des Kindes
ausräumen kann.
Wird jedoch die Verdachtsdiagnose einer
Erkrankung oder Behinderung durch die pränatale Diagnostik bestätigt,
entscheidet die schwangere Frau darüber, ob sie von der Möglichkeit des
Schwangerschaftsabbruches Gebrauch machen will. Das zentrale ethische
Problem der pränatalen Diagnostik ist die Frage nach einem eventuellen
Schwangerschaftsabbruch bei Nachweis einer Erkrankung oder Behinderung
des ungeborenen Kindes. Bei einer Entscheidung für einen
Schwangerschaftsabbruch geraten alle Beteiligten - Schwangere und Ärzte
- unvermeidlich in den Konflikt mit dem Tötungsverbot. Die Pluralität
der Wertsetzungen ermöglicht für diesen Konflikt keine von allen
Menschen gleichermaßen akzeptierte Lösung. Entscheidungen können nur im
Einzelfall erarbeitet werden. Der Schwangerschaftsabbruch nach
pränataler Diagnostik eines erkrankten oder behinderten Kindes stellt
das unvollkommene Bemühen dar, eine im Kern nicht auflösbare
Konfliktsituation zu beenden. Dieser Sachverhalt erfordert es, daß die
Problematik des Schwangerschaftsabbruches und das Risiko der Diagnostik
in die Beratung der Schwangeren vor einer pränatalen Diagnostik
einbezogen werden.
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