|
Seite 1 von 14 Pränatale Richtlinien, Leitlinien, Empfehlungen und Stellungnahmen. Richtlinien der Bundesärztekammer
Pränatale Richtlinien, Leitlinien, Empfehlungen und Stellungnahmen
Richtlinien der Bundesärztekammer zur pränatalen Diagnostik von Krankheiten und Krankheitsdispositionen
Vorwort
Ein
wichtiges Ziel der 1987 vom Wissenschaftlichen Beirat veröffentlichten
Empfehlungen "Pränatale Diagnostik" war die enge Zusammenarbeit
zwischen den Ärzten der involvierten medizinischen Fachrichtungen unter
Beteiligung der nachsorgenden Kinderärzte und Kinderchirurgen. Der
Schwerpunkt der pränatalen Diagnostik lag damals in der Erfassung von
Chromosomenaberrationen, angeborenen Stoffwechselstörungen und
Neuralrohrdefekten. Es gab neben der bewährten Amniozentese und der
bereits arrivierten Ultraschalldiagnostik auch schon die in statu
nascendi befindliche Chorionzottenbiopsie, die eine Vorverlegung der
Pränataldiagnostik vom zweiten ins erste Schwangerschaftstrimenon
erlaubte.
In den vergangenen 10 Jahren hat eine
außergewöhnlich erfolgreiche medizinische und medizin-technische
Entwicklung stattgefunden. Diese umfaßt im pränataldiagnostischen
Bereich eine zunehmende Anzahl monogener Krankheitsbilder, die
Einführung molekularer Techniken in die Chromosomendiagnostik und die
hochauflösende Ultraschalldiagnostik sowie im therapeutischen Bereich
unter anderem auch die intrauterine Blutaustausch-Transfusion bei
Rh-Inkompatibilität zwischen Mutter und Fetus.
Die
nunmehr vorliegende erste Fortschreibung der Empfehlungen von 1987 ist
notwendig geworden, weil sich nicht nur die ärztlichen Aufgaben stark
ausgeweitet und differenziert haben. Auch die juristischen und
ethischen Rahmenbedingungen haben durch Gesetzesänderungen und
höchstrichterliche Urteile sowie durch die zunehmende
Patientenautonomie mit der Forderung nach "informed consent" für alle
medizinischen Maßnahmen eine zeitgemäße Anpassung erfahren. Somit ist
die Schwangerenberatung in das Zentrum der Pränataldiagnostik gerückt.
Sie erfordert neben solider Sachkenntnis zu genetischen Fragen und zu
den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten und Risiken auch
eine verständnisvolle Aussprache und eine Erörterung der elterlichen
Entscheidungsoptionen. Diese hochsensible Wechselwirkung im
Arzt-PatientenVerhältnis ist der Grund, warum aus der ursprünglichen
Empfehlung in der ersten Fassung dieses Papieres nun eine Richtlinie
wurde. Die lang bewährten Mutterschafts-Richtlinien mit ihren klaren
Anweisungen zu den erforderlichen ärztlichen Maßnahmen während
Schwangerschaft, Geburt und frühkindlicher Entwicklung werden durch die
"Richtlinien zur Pränataldiagnostik" ergänzt. Ihr Schwerpunkt sind die
Information und Beratung der Schwangeren in einer besonderen, oft
schwerwiegenden Entscheidungssituation, die nicht selten die
langfristige ärztliche Begleitung eines betroffenen Kindes und seiner
Eltern, auch in der weiteren Familienplanung, erforderlich
macht.
|